Indirekte Rede

Einleitung

Wenn wir berichten, was jemand gesagt hat, verwenden wir meist nicht den originalen Wortlaut (wörtliche Rede), sondern geben den Inhalt nur sinngemäß wieder – wir verwenden die indirekte Rede.

Die indirekte Rede wird durch Wendungen eingeleitet.

Beispiele:
Er sagt(e), …
Sie meint(e), …
Er behauptet(e), …
Sie gibt/gab an, …
Er erklärt(e), …
Sie erzählt(e), …
Er stellt(e) fest, …
Sie fragt(e), …
Er berichtet(e), …

Beispiel

Mandy sitzt im Café, in dem Jan arbeitet. Er erzählt ihr Folgendes: „Ich habe eine Fernsehmoderatorin gesehen. Sie war gestern hier und hat ein Eis gegessen.“
Eine Woche später telefoniert Mandy mit einer Freundin: „Ich habe Jan neulich im Café getroffen. Er sagte, er habe eine Fernsehmoderatorin gesehen. Sie sei am Tag zuvor dort gewesen und habe ein Eis gegessen.“

Umwandlung – direkte in indirekte Rede

Beim Umwandeln von der direkten in die indirekte Rede müssen wir folgende Punkte beachten:

  • Änderung der Pronomen
    Beispiel:
    Er sagte: „Ich habe eine Fernsehmoderatorin gesehen.“
    → Er sagte, er habe eine Fernsehmoderatorin gesehen.
  • Änderung der Verbform (meist im Konjunktiv)
    Beispiel:
    Er sagte: „Sie hat ein Eis gegessen.“
    → Er sagte, sie habe ein Eis gegessen.
  • wenn nötig, Änderung der Orts- und Zeitangaben
    Beispiel:
    Er sagte: „Sie war gestern hier.“
    → Er sagte, sie sei am Tag zuvor dort gewesen.

Aussagesätze

Aussagesätze in der indirekten Rede können wir ohne Konjunktion oder mit dass an den Einleitungssatz anhängen.

Beispiel:
Er sagte: „Ich habe eine Fernsehmoderatorin gesehen.“
→ Er sagte, er habe/hat eine Fernsehmoderatorin gesehen.
→ Er sagte, dass er eine Fernsehmoderatorin gesehen habe/hat.

Fragesätze

Ergänzungsfragen leiten wir in der indirekten Rede mit dem Fragewort ein.

Beispiel:
Ich fragte: „Wie sah sie aus?“
→ Ich fragte, wie sie ausgesehen habe/aussah.

Bei Entscheidungsfragen (Fragen ohne Fragewort) beginnen wir die indirekte Rede mit ob.

Beispiel:
Ich fragte: „Hat sie dir Trinkgeld gegeben?“
→ Ich fragte, ob sie ihm Trinkgeld gegeben habe/hat.

(siehe auch indirekte Fragen)

Aufforderungen/Bitten

Bei Aufforderungen in der indirekten Rede verwenden wir normalerweise das Modalverb sollen. Wollen wir besonders höflich klingen, nehmen wir mögen (hauptsächlich gehobene Sprache).

Beispiel:
Er sagte zu mir: „Sei nicht so neugierig!“
→ Er sagte, ich solle/soll nicht so neugierig sein.
Er sagte dem Gast: „Kommen Sie bitte etwas später wieder.“
→ Er sagte, der Gast möge doch bitte etwas später wiederkommen.

Wir können Aufforderungen und Bitten jedoch auch mit einem Infinitivsatz ausdrücken. Eventuell müssen wir dafür aber einen anderen Einleitungssatz wählen.

Beispiel:
Er forderte mich auf, nicht so neugierig zu sein.
→ Er bat den Gast, doch bitte etwas später wiederzukommen.

Indikativ oder Konjunktiv

Die indirekte Rede können wir im Indikativ und im Konjunktiv wiedergeben. In der gesprochenen Alltagssprache verwenden wir sehr häufig den Indikativ. In der geschriebenen Sprache bevorzugen wir normalerweise den Konjunktiv.

  • Verwenden wir Indikativ, könnte man daraus schließen, dass wir dem Original-Sprecher glauben bzw. zustimmen.
    Beispiel:
    Walter sagt, dass er krank ist.
    Walter sagt, er ist krank.
  • Verwenden wir Konjunktiv, wird deutlich, dass wir nur wiederholen, was der Original-Sprecher gesagt hat (egal, ob wir ihm glauben oder nicht). Der Konjunktiv ist also eine neutrale Form. Deshalb wird in Nachrichten und Zeitungsartikeln die indirekte Rede immer im Konjunktiv wiedergegeben.
    Beispiel:
    Walter sagt, dass er krank sei.
    Walter sagt, er sei krank.

Wiedergabe der Zeiten im Konjunktiv

Geben wir die indirekte Rede im Konjunktiv wieder, verwenden wir normalerweise die Formen von Konjunktiv I (es sei denn, diese stimmt mit dem Indikativ überein, siehe Verwendung von Konjunktiv II und würde unten).

direkte Redeindirekte Rede
Präsens„Ich gehe.“
„Ich lese.“
Er sagt(e), er gehe.
Er sagt/sagte, er lese.
Perfekt„Ich bin gegangen.“
„Ich habe gelesen.“
Er sagt, er sei gegangen.
Er sagt, er habe gelesen.
Präteritum„Ich ging.“
„Ich las.“
Plusquamperfekt„Ich war gegangen.“
„Ich hatte gelesen.“
Futur I„Ich werde gehen.“
„Ich werde lesen.“
Er sagt, er werde gehen.
Er sagt, er werde lesen.
Futur II„Ich werde gegangen sein.“
„Ich werde gelesen haben.“
Er sagt, er werde gegangen sein.
Er sagt, er werde gelesen haben.

Verwendung von Konjunktiv II und „würde“

Stimmt eine Form des Konjunktivs mit dem Indikativ überein, müssen wir auf andere Formen ausweichen, um deutlich zu machen, dass alle Formen konjunktivisch sind.

  • Stimmt die Form von Konjunktiv I mit dem Indikativ überein, nehmen wir den Konjunktiv II. Dies ist vor allem der Fall bei der 1. Person Einzahl (ich) sowie der 1. und 3. Person Plural (wir, sie). Oft bevorzugen wir auch in der 2. Person (du, ihr) den Konjunktiv II.
    Beispiel:
    Er sagte: „Sie haben auf uns gewartet.“
    Er sagte, dass sie auf uns gewartet hätten.
    (statt: Er sagte, dass sie auf uns gewartet haben.)
  • Stimmt die Form von Konjunktiv II wiederum mit dem Präteritum des Indikativs überein, verwenden wir die Umschreibung mit würde.
    Beispiel:
    Er sagte: „Sie lachen viel.“
    Er sagte, dass sie viel lachen würden.
    (statt: Er sagte, dass sie viel lachten.)

Info

Verwenden wir in der indirekten Rede Konjunktiv II, obwohl Konjunktiv I möglich wäre, könnte man daraus schließen, dass wir an der Wahrheit der Aussage zweifeln.

Beispiel:
Walter sagt, er sei krank. (neutral)
Walter sagt, er wäre krank. (Zweifel, ob es stimmt)

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