Erzählperspektive

Einleitung

In jedem literarischen Text gibt es einen Erzähler, der uns durch die Handlung führt. Es handelt sich um eine Stimme, die die Ereignisse wiedergibt und verschiedene Persektiven einnehmen kann. Je nachdem, wie viel der Erzähler über die Protagonisten und die Erzählung weiß, also aus welcher Erzählperspektive er berichtet, unterscheidet man im Deutschen vier Erzähler-Typen.

Auktorialer Erzähler

Der auktoriale Erzähler wird auch allwissender Erzähler genannt, weil er über alle Fakten der fiktiven Welt, von der er berichtet, informiert ist. Er hat Einsicht in die Gedanken, Gefühle, Meinungen und Zusammenhänge aller handelnden Figuren. Er weiß also alles über das, was sie miteinander verbindet, sowie alles über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der allwissende Erzähler kann sich innerhalb der Handlung in Raum und Zeit bewegen. So erfährt der Leser mehr über die Handlung als die handelnden Figuren.

Beispiel:
Sie ging die Straße entlang und dachte an ihren Hund Klaus. Es tat ihr in der Seele weh, ihn so krank zu sehen und sie hoffte, dass er bald wieder gesund sein würde. Was sie nicht wusste: Klaus ging es längst besser und er sprang fröhlich durch den Garten.

Beispiel aus der klassischen Literatur: Kleider machen Leute von Gottfried Keller.

Personaler Erzähler

Erzähler spricht in der 3. Person – er/sie

Der personale Erzähler ist nicht direkt am Geschehen beteiligt und berichtet aus der Perspektive einer Figur. Der Leser erfährt nur, was der Protagonist fühlt und denkt, während Informationen über andere Figuren nur bekannt werden, wenn sie dem Protagonisten mitgeteilt werden. Bei der personalen Erzählperspektive werden oft die Personalpronomen er oder sie gebraucht, aus diesem Grunde wird der personale Erzähler auch Er/Sie – Erzähler genannt. Der personale Erzähler kann auch die Perspektive wechseln und aus der Sicht anderer an der Handlung beteiligter Personen berichten. In diesem Fall spricht man von einem personalen Erzähler mit Multiperspektive.

Beispiel:
Er hatte sie schon tausend Mal angerufen, aber sie antwortete einfach nicht. Wo steckte sie nur? Er machte sich wirklich Sorgen und konnte es sich nicht erklären. Er entschloss sich, sie zu suchen.

Beispiele aus der klassischen Literatur sind: Oliver Twist von Charles Dickens oder Die unendliche Geschichte von Michael Ende.

Interessant an der unendlichen Geschichte ist, dass Michael Ende zwar eigentlich die gesamte Geschichte aus Sicht des Haupthelden Bastian erzählt, solange Bastian aber selbst das Buch liest, wechselt die Erzählperspektive.

Neutraler Erzähler

Der neutraler Erzähler gewährt dem Leser keinen Einblick in die Gedanken und Gefühle der teilnehmenden Figuren. Er gibt keine Kommentare oder Wertungen über Handlung und Figuren ab. Es wird lediglich geschildert, was von außen wahrnehmbar ist. Oft werden Dialoge wiedergegeben ohne zu erklären, was in den Figuren vorgeht. Der Leser kann dies lediglich von den geschilderten Vorgängen ableiten.

Beispiel:
Er betrat den Raum und knallte die Tür hinter sich zu. „Hör endlich auf, mir Vorschriften zu machen!“ Laura antwortete nicht und verließ den Raum.

Beispiel aus der klassischen Literatur: Effi Briest von Theodor Fontane.

Ich-Erzähler

Erzähler spricht in der 1. Person – ich

Der Erzähler ist am Geschehen beteiligt und erzählt die Geschichte aus seiner Sicht (ich). Es handelt sich um eine begrenzte Erzählweise, da der Leser nur das erfährt, was der Erzähler selbst erlebt. Diese Erzählperspektive zieht den Leser jedoch oft stärker in den Bann der Geschichte, weil persönliche Erlebnisse, Erfahrungen und Geheimnisse mit ihm geteilt werden.

Beispiel:
Ich konnte es immer noch nicht glauben. Lisa war tatsächlich schwanger und hatte mir nichts gesagt. Ich wusste nicht, wie es mit der Band weitergehen konnte. Schließlich kann man schlecht ein berühmter Rocksänger werden mit einem Kind auf der Bühne.

Beispiel aus der klassischen Literatur: Aus dem Leben eines Taugenichts von Josef von Eichendorff

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