Der Gedankenstrich im Deutschen

Einleitung

Mit Gedankenstrichen können wir Gedanken stärker voneinander abgrenzen als mit einem Komma oder einem Doppelpunkt. Es gibt den einfachen und den paarigen Gedankenstrich. Einzelne Gedankenstriche verwenden wir, um eine größere Pause zwischen Wörtern oder Sätzen anzuzeigen. Der paarige Gedankenstrich wird vor allem zur Kenntlichmachung von Einschüben genutzt. Vorsicht: Der Gedankenstrich sollte nicht mit dem (kürzeren) Bindestrich verwechselt werden.

Inhalt

  • Einzelwörter und Pausenzeichen
  • Zusatzinformationen
  • Ankündigungszeichen
  • Redeabbruch, Sprecher- und Themenwechsel
  • Streckenstrich

Einzelwörter und Pausenzeichen

Einzelwörter

Der einfache Gedankenstrich kann zwischen einzelnen Wörtern und Wortgruppen stehen, um sie stärker voneinander abzutrennen als durch ein Komma.

Diese Trennung findet man häufig in Werbung und Medien.

Beispiel:
Sommer – Sonne – Strand
Rom – Niedergang einer Weltmacht

Auch Inhaltsangaben kann man in dieser Schreibweise angeben.

Beispiel:
Inhalt: Finite und infinite Verbformen – Unterschiede zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Verben – Alphabetische Liste der unregelmäßigen Verben.

Den Gedankenstrich verwenden wir außerdem zwischen Wörtern, die zusammengehören oder gegensätzlich zueinander sind.

Beispiel:
Sandra: Setzt man zwischen „sowohl – als auch“ ein Komma?
Clemens: Nein, normalerweise nicht.

Pausenzeichen

Den einzelnen Gedankenstrich können wir verwenden, um eine kurze Sprechpause zu markieren.

Beispiel:
Auf die Plätze – fertig – los!
Reifes Obst und Gemüse in den Mixer schmeißen – auf das Knöpfchen drücken – fertig ist der gesunde Genuss!
Ich habe es dir doch schon tausendmal gesagt: Ich – mag – keine – Cola!

Zusatzinformationen

In einen Satz eingeschobene Zusatzinformationen, die stark betont werden sollen, können wir zwischen zwei Gedankenstriche setzen.

Beispiel:
Mitten in der Nacht – der Mond stand hoch oben am Himmel – klopfte es an unserer Tür.
Herr Uklatsch – unser Nachbar, dieser Trunkenbold – hat das nicht zum ersten Mal gemacht.

Info

Zusatzinformationen lassen sich durch Klammern, Kommas oder Gedankenstriche vom Begleitsatz abtrennen. Dabei heben Klammern am wenigsten hervor, Kommas sind neutral und Gedankenstriche heben am stärksten hervor.

Beispiel:
Sandra (die Freundin von Paul) hat gestern Kuchen für uns gebacken.

keine Hervorhebung

Sandra, die Freundin von Paul, hat gestern Kuchen für uns gebacken.

neutral

Sandra – die Freundin von Paul – hat gestern Kuchen für uns gebacken.

starke Trennung/Hervorhebung

Ankündigungszeichen

Ähnlich wie der Doppelpunkt kann der Gedankenstrich als Ankündigungszeichen verwendet werden. Der Gedankenstrich trennt allerdings stärker und kann auch an Stellen gesetzt werden, an denen andere Satzzeichen nicht stehen dürfen.

Beispiel:
Familie Sander war heute nicht zu Hause. Im Wohnzimmer war es still, in der Küche hörte man nur den Kühlschrank rumoren, aber da im Kinderzimmer hörte man – Schritte! War das etwa ein Einbrecher?
Patient: Ich habe Schmerzen in der rechten Hand.
Arzt: Da hilft nur eines – abschneiden.

Redeabbruch, Sprecher- und Themenwechsel

Redeabbruch

Wird ein Satz plötzlich unterbrochen, können wir dies durch Auslassungspunkte oder durch den einzelnen Gedankenstrich signalisieren. Den Schlusspunkt lassen wir in solchen Fällen weg.

Beispiel:
Ich fühle mich immer so – aber erzähle doch lieber von dir.
Linda: Das kann doch nicht –
Jan: Ich sage dir doch, dass ich es nicht extra gemacht habe.

Ein Ausrufezeichen oder Fragezeichen am Satzende setzen wir aber.

Beispiel:
Wie ist denn das nur –?
Hör auf, du böser Hund. Du kannst doch nicht –! Oh nein!

Bei wörtlicher Rede wird der Gedankenstrich sehr viel seltener verwendet als die Auslassungspunkte – seine Wirkung ist stärker. Den Schlusspunkt setzen wir hier nach den Ausführungszeichen der wörtlichen Rede.

Beispiel:
„Könntest du mir bitte –“. Sie brachte ihren Satz nicht zu Ende, weil das Päckchen Mehl im Regal über ihr plötzlich herunterfiel und auf ihrem Kopf landete.

Sprecher- und Themenwechsel

Wenn wir einen Wechsel deutlich machen wollen, können wir auch zwischen zwei Sätzen einen Gedankenstrich schreiben – egal ob es sich um einen Sprecher- oder Themenwechsel handelt.

Beispiel:
„Bringst du mir Äpfel und gutes Olivenöl vom Markt mit?“ – „Ja, aber an welchem Stand kann ich denn Öl kaufen?“ (Sprecherwechsel)
Ich kann dir jetzt noch nicht sagen, welche Schicht ich nächsten Monat habe. – Sollen wir heute Abend nicht lieber ins Kino gehen, statt uns mit Jan und Silke zu treffen? (Themenwechsel)

Streckenstrich

Den Streckenstrich verwenden wir für Streckenangaben. Es empfiehlt sich, davor und danach ein Leerzeichen zu setzen, auch wenn es nicht verpflichtend ist. Es vermeidet aber Misverständnisse.

Beispiel:
Der Streckenabschnitt Leipzig – Berlin ist derzeit gesperrt.
Der Flug Los Angeles – New York ist um eine Stunde verschoben worden.

Bei Los Angeles–New York könnte man fälschlicherweise Angeles und New als eine Einheit begreifen.

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