Partizip I und II in der deutschen Grammatik

Einleitung

Ein Partizip (Mittelwort) vereint Eigenschaften von Verb und Adjektiv. Partizipien werden aus Verben gebildet, aber wie Adjektive verwendet. Im Deutschen unterscheiden wir das Partizip I (Partizip der Gegenwart) und das Partizip II (Partizip Perfekt).

In der Übersicht erfährst du, wie Partizip I und Partizip II in der deutschen Sprache verwendet werden. Lerne die Regeln und übe die richtige Verwendung anschließend in den Übungen.

Beispiel

Frau Kunze wurde von einer Freundin in ein Café eingeladen. Die beiden haben sich lange nicht mehr gesehen. Nach ihrer Tasche greifend läuft Frau Kunze zur Tür.

In einem neben der Kommode stehenden Schirmständer steht ein Schirm. Den Wetterbericht gehört, weiß Frau Kunze, dass es heute nicht regnen wird. Deshalb lässt sie den zusammengeklappten Schirm dort stehen und verlässt lächelnd das Haus.

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Partizip I

Bildung

Das Partizip I bilden wir im Deutschen, indem wir an den Infinitiv den Buchstaben d anhängen.

Beispiel:
winken – winkend
lachen – lachend

Bei den Verben sein und tun steht zur besseren Aussprache zusätzlich ein e vor dem n.

Beispiel:
sein – seiend
tun – tuend

Verwendung

Das Partizip I drückt Gleichzeitigkeit aus oder eine im Moment des Geschehens stattfindende Tätigkeit.

Wir verwenden das Partizip I in folgenden Fällen:

  • als attributives Adjektiv für eine Handlung oder einen Vorgang im Aktiv.
    Beispiel:
    In einem neben der Kommode stehenden Schirmständer steht ein Schirm.
  • als adverbiales Adjektiv/Adverb für etwas, das gerade passiert
    Beispiel:
    Sie verlässt lächelnd das Haus./Die lächelnde Frau verlässt das Haus.
  • als Nomen für eine Person, welche die im Partizip enthaltene Tätigkeit ausübt
    Beispiel:
    der Lernende (Person, die lernt)
    die Reisenden (Personen, die reisen)
  • im Partizipialsatz für eine Handlung, die zeitgleich mit der Handlung im Hauptsatz abläuft
    Beispiel:
    Nach ihrer Tasche greifend läuft Frau Kunze zur Tür.
    (statt: Frau Kunze läuft zur Tür und greift dabei nach ihrer Tasche.)

Partizip II

Bildung

Das Partizip II bilden wir im Deutschen normalerweise mit der Vorsilbe ge- und der Endung -t (für schwache und gemischte Verben) bzw. -en (für starke Verben).

  • schwache und gemischte Verben: get
    Beispiel:
    lernen – gelernt
    nennen – genannt
  • starke Verben: geen
    Beispiel:
    sehen – gesehen

Ausnahmen bei der Bildung von Partizip II

Viele starke und gemischte Verben ändern im Partizip II den Stamm (siehe Liste der deutschen unregelmäßigen Verben).

Beispiel:
gehen – gegangen
bringen – gebracht

Endet der Wortstamm auf d/t, hängen wir bei schwachen/gemischten Verben -et an.

Beispiel:
warten – gewartet

Verben mit der Endung -ieren bilden das Partizip II ohne ge-.

Beispiel:
studieren – studiert

Nicht trennbare Verben bilden das Partizip II ohne ge-. (siehe trennbare/nicht trennbare Verben)

Beispiel:
verstehen – verstanden

Bei trennbaren Verben steht ge- hinter dem Präfix. (siehe trennbare/nicht trennbare Verben)

Beispiel:
ankommen – angekommen

Verwendung

Das Partizip II drückt eine passive Handlung aus oder eine Handlung, die bereits stattgefunden hat.

Wir verwenden das Partizip II in folgenden Fällen:

  • als attributives Adjektiv für eine bereits geschehene Handlung oder eine Handlung im Passiv
    Beispiel:
    Deshalb lässt sie den zusammengeklappten Schirm dort stehen.
    (= der Schirm, der zuvor zusammengeklappt wurde)
  • als adverbiales Adjektiv/Adverb für eine bereits geschehene Handlung oder eine Handlung im Passiv
    Beispiel:
    Der Schirm steht zusammengeklappt im Schirmständer.
  • als Nomen für eine Person, welche die im Partizip enthaltene Handlung erfahren hat (zuvor oder passiv)
    Beispiel:
    die Eingeladene (Person, die eingeladen wurde/wird – Passiv)
    die Verliebten (Personen, die sich verliebt haben – Vorzeitigkeit)
  • im Partizipialsatz für eine Handlung im Passiv oder eine Handlung, die zeitlich vor der Handlung im Hauptsatz stattfand
    Beispiel:
    Den Wetterbericht gehört, weiß Frau Kunze, dass es heute nicht regnen wird.
    (statt: Frau Kunze hat den Wetterbericht gehört und weiß, dass es heute nicht regnen wird.)
    Von einer Freundin eingeladen, verbringt sie den Nachmittag in einem Café.
    (statt: Sie wurde von einer Freundin eingeladen und verbringt den Nachmittag in einem Café.)

Außerdem brauchen wir Partizip II:

  • bei den zusammengesetzten Zeitformen: Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II
    Beispiel:
    Die beiden haben sich lange nicht mehr gesehen.
  • beim Passiv
    Beispiel:
    Frau Kunze wurde von einer Freundin in ein Café eingeladen.