Konditionalsätze/Bedingungssätze in der deutschen Grammatik

Was ist ein Konditionalsatz?

Ein Konditionalsatz (Bedingungssatz) ist ein mit „wenn“ eingeleiteter Nebensatz. Er drückt aus, dass eine Handlung nur unter einer bestimmten Bedingung stattfindet bzw. unter einer anderen Bedingung stattgefunden hätte.

Hier lernst du, Konditionalsätze für reale und irreale Bedingungen zu bilden und zu unterscheiden. Dein Wissen kannst du anschließend in den Übungen testen.

Beispiel

Mutter: „Markus, ich will heute Nachmittag einen Kuchen backen. Kannst du mir helfen?“

Markus: „Wenn ich heute Nachmittag Zeit habe, helfe ich dir.

Mutter: „Markus, kannst du mir beim Kuchenbacken helfen?“

Markus: „Wenn ich Zeit hätte, würde ich dir helfen. Aber ich muss noch Hausaufgaben machen.“

Mutter: „Jetzt ist der Kuchen fertig. Du wolltest mir doch helfen!?“

Markus: „Wenn ich Zeit gehabt hätte, hätte ich dir geholfen. Aber meine Hausaufgaben …“

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Welche Zeitform verwendet man im Konditionalsatz?

Welche Zeitform wir im Konditionalsatz und im Hauptsatz verwenden, ist abhängig davon, ob es sich um eine reale oder eine irreale Bedingung handelt. Die Bedingung (also die Kondition) steht im Nebensatz (dem Konditionalsatz) und wird mit wenn eingeleitet.

Nehmen wir „Zeit haben“ als Beispiel für die Bedingung und schauen wir uns den Unterschied für reale Bedingungen sowie für irreale Bedingungen in der Gegenwart und Vergangenheit an.

Reale Bedingung

Wenn wir ausdrücken wollen, dass die Bedingung möglicherweise erfüllbar ist, sprechen wir von einer realen Bedingung. (Vielleicht habe ich später Zeit.) In diesem Fall verwenden wir in beiden Satzteilen Präsens.

Beispiel:
Wenn ich Zeit habe, helfe ich dir.

Irreale Bedingung in der Gegenwart

Wenn wir schon wissen, dass die Bedingung jetzt/später nicht erfüllbar ist, sprechen wir von einer irrealen Bedingung. (Ich habe jetzt/später keine Zeit.) In beiden Satzteilen verwenden wir Konjunktiv II für Situationen in der Gegenwart (oder die würde-Form).

Beispiel:
Wenn ich (jetzt/später) Zeit hätte, würde ich dir helfen.
Wenn ich (jetzt/später) Zeit hätte, hülfe/hälfe ich dir.

Irreale Bedingung in der Vergangenheit

Wenn es sich um eine Bedingung handelt, die in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde, sprechen wir von einer irrealen Bedingung in der Vergangenheit. (Ich hatte keine Zeit.) In beiden Satzteilen verwenden wir Konjunktiv II für Situationen in der Vergangenheit.

Beispiel:
Wenn ich Zeit gehabt hätte, hätte ich dir geholfen.

Anmerkungen zum Satzbau bei Konditionalsätzen

Die Bedingung (Zeit haben) steht im Nebensatz und beginnt mit wenn. Wenn ist eine Subjunktion – das finite Verb muss am Ende des Teilsatzes stehen. (siehe Liste Konjunktionen und Satzbau)

Beispiel:
Wenn ich Zeit habe, …
Wenn ich Zeit hätte, …
Wenn ich Zeit gehabt hätte, …

Die von der Bedingung abhängige Handlung (helfen) steht im Hauptsatz. Wenn ein Satz mit einer Bedingung (Nebensatz) beginnt, steht das Subjekt des Hauptsatzes hinter dem finiten Verb.

Beispiel:
Ich helfe dir, wenn ich Zeit habe.
→ Wenn ich Zeit habe, helfe ich dir.

Konditionalsätze ohne wenn

Im Deutschen verwenden wir Konditionalsätze am Satzanfang gelegentlich auch ohne wenn.

Beispiel:
Habe ich Zeit, helfe ich dir.
Hätte ich Zeit, würde ich dir helfen.
Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich dir geholfen.

Steht der Konditionalsatz aber hinter dem Hauptsatz, können wir wenn nicht weglassen.

Beispiel:
Ich helfe dir, wenn ich Zeit habe. (nicht: Ich helfe dir, ich Zeit habe.)